Der Heilige und die sozialen Probleme seiner Zeit anhand der hagiographischen Texte der Palaiologenzeit

Spyridon P. Panagopoulos
post-image

Der vorliegende Beitrag untersucht die Rolle hagiographischer Texte der Palaiologenzeit als Quellen für das Verständnis der sozialen und politischen Probleme im spätbyzantinischen Reich. Die Abfassung von Heiligenviten, Enkomien und liturgischen Texten nach 1261 beschränkt sich nicht auf kultische Zwecke, sondern steht in engem Zusammenhang mit Fragen wie der Kirchenunion, der Ausbreitung des Hesychasmus, dem Auftreten von Neomärtyrern unter osmanischer Herrschaft sowie dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit. Die Heiligen erscheinen dabei nicht nur als Verteidiger der Orthodoxie, sondern auch als gesellschaftliche Kritiker, die Ungerechtigkeit, Armut und politische Korruption verurteilen und zugleich zu Frieden und Einheit aufrufen. Die Hagiographen, zumeist Angehörige der Gelehrtenwelt und der staatlichen Elite, spiegeln in ihren Werken die Spannungen zwischen kirchlicher und kaiserlicher Autorität wider und stellen die Kirche als Beschützerin des Volkes dar. Somit fungiert die Hagiographie sowohl als historische Quelle als auch als Medium ideologischer Legitimation der kirchlichen Präsenz in der sich wandelnden byzantinischen Welt.

4.00Προσθήκη στο καλάθι

0